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Land der Millionäre, Artikel im Tages-Anzeiger vom Mittwoch, 27. Oktober 2010

29.10.2010

Ein anlässlich der neusten Studie des Basler Soziologieprofessors Ueli Mäder und seinem Team im Tages-Anzeiger vom Mittwoch, den 27. Oktober 2010 veröffentlichter Artikel zum Thema Superreiche in der Schweiz spricht einige Punkte an, die für die Immobilienwirtschaft von grosser Bedeutung sind.

Demnach reicht es heute nicht mehr, ein simpler Millionär zu sein – mit einer Million kommt man heute nicht mehr weit, man kann sich davon beispielsweise keine Villa mit Umschwung an der Zürcher Goldküste oder am Zürichberg leisten. Mäder bietet eine moderne, zahlenunabhängige Definition von Reichtum: reich ist, wer vom Ertrag seines Geldes gut leben kann und quasi nicht mehr arbeiten muss. Dafür sind allerdings einige Millionen nötig. Als superreich oder im Bankenjargon „Ultra High Net Worth Individuals“ (UHNWI) darf sich betiteln, wer ein Anlagevermögen von mindestens 30 Millionen besitzt.

Während ca. 222‘000 Personen in der Schweiz ein Vermögen von mindestens 1 Million haben, sind es noch 4‘000 Menschen, die ein Jahreseinkommen von mehr als einer Million haben. Dies katapultiert die Schweiz auf Rang 3 der Länder mit der höchsten Millionärsdichte weltweit (nach Singapur und Hongkong). Anders ausgedrückt: Jeder zehnte Milliardär dieser Welt lebt in der Schweiz.

Hier biete es sich an, noch einen Blick auf die von der „Bilanz“ erhobenen Daten zu werfen, gemäss deren Angaben sich das Vermögen der 100 Reichsten im Land in den letzten 20 Jahren mehr als verfünffacht hat – von 66 Milliarden (1989) auf 358 Milliarden (2009), wobei die zehn Topvermögen zwischen 6.5 und 35.5 Milliarden liegen.

Von den 300 Reichsten mit Schweizer Wohnsitz leben laut „Bilanz“ 64 im Kanton Zürich, 42 im Kanton Genf und 33 im Kanton Waadt. Die Superreichen haben eine Vorliebe für die Ufer von Zürich‑, Genfer‑, Zuger‑ und Luganersee entwickelt. Der Grossteil der rund 5‘000 in der Schweiz pauschal besteuerten Ausländer lebt in den Kantonen Genf, Waadt (1‘200), Wallis und Tessin. Doch auch die regulär besteuerten Superreichen wählen den Wohnort nach dem Steuerklima: Kanton Schwyz, Kanton Zug und die Zürcher Goldküste. Nur in zwei Kantonen lebt laut „Bilanz“ kein einziger Superreicher: Jura und Uri fungieren offenbar auf keiner Landkarte für einkommensstarke Personen.

Natürlich seien die Reichen der Ansicht, dass von ihrem Reichtum das ganze Land profitiere: erstens weil sie viel Steuern bezahlen, zweites würde ihre Bautätigkeit, ihr Konsum und ihre Investitionen der Baubranche, dem Handwerk, dem Gewerbe usw. zugute kommen. Überdies würden sie auch über Stiftungen viel Gutes tun. In der Tat existieren in der Schweiz gemäss der Basler Studie 12‘000 gemeinnützige Stiftungen, die ein Vermögen von 50 bis 80 Milliarden Franken verwalten. Das sind pro Kopf mehr Gelder als im eigentlichen Stiftungsparadies USA.

Die Macht, die der Reichtum mit sich bringt, hätte gemäss Ueli Mäder für die restliche Bevölkerung höchst unangenehme Auswirkungen, etwa, dass die Miet- und Immobilienpreise in den bevorzugten Wohnregionen durch die starke, durch Einwanderung von vermögenden Ausländern zusätzlich angeheizte Nachfrage nach Wohnraum regelrecht explodieren. Dadurch sei es in der Stadt Zug, in St. Moritz, an der Zürcher Goldküste oder im Zürcher Seefeldquartier für den Mittelstand kaum mehr möglich, erschwingliche Wohnungen zu finden.

Posted by:  Claude Ginesta



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