Der Immobilienmarkt boomt – und was machen die Zinsen?
28.04.2011 
Die Banken profitieren vom Immobilienboom. In den vergangenen 5 Jahren schnellte das Volumen ausstehender Hypothekarkredite um ein Drittel in die Höhe. Ende 2010 erreichte der Hypothekenmarkt mit rund 750 Milliarden Franken einen Rekordwert.
Falls die Zinsen steigen, dürften einige Hausbesitzer aber auch Banken in arge Bedrängnis geraten. Einerseits wird die Refinanzierung der Kredite der Banken teurer, andererseits steigt das Risiko, dass Hausbesitzer Ihre Hypozinsen nicht mehr tragen können.
In den sogenannten „Hot Spots“ wie Genfersee, Zug und Zürich kämen sogar Haushalte mit mittlerem Einkommen in finanzielle Probleme, moniert eine Schweizer Grossbank. Auch die Finma (Finanzmarktaufsicht) wacht mit Argusaugen ob der angespannten Situation. Ein Zinsanstieg von nur einem Prozent würde durchschnittlich 6 Prozent des Eigenkapitals der Banken wegfressen, warnt Finma-Direktor Raaflaub. Gemäss Prognosen führender Ökonomen ist in der Schweiz aber erst Ende Jahr mit einem Zinsanstieg zu rechnen.
Nach dem Ausbruch der Krise hielten die Notenbanken die Zinsen tief. Weil Kaufen dadurch billiger wurde als Mieten, startete der Immobilienmarkt förmlich durch. Der Vertrauensverlust der Grossbanken bescherte den anderen Playern auf dem Markt Hypothekenvergaben in grossem Stil. Zwar betonen die Banken, sie hätten Ihre Vergabekriterien nicht gelockert. Die Objekte seien zu maximal 80 Prozent belehnt. Zudem müsse der Kreditnehmer finanzkräftig genug sein, um einen Zinsanstieg auf über 4 Prozent verkraften zu können.
Die Realität sieht aber anders aus. Viele Offerten sind nicht an die Vergabekriterien gekoppelt. Unabhängige Finanxeperten betonen, dass bei einem Zinsanstieg viele dieser Kreditnehmer ihr Haus verkaufen müssen – ergo werden die Immobilienpreise einbrechen. Eine verzwickte Situation. Die Finma plant nun Bankenbesuche um sich einen Überblick zu verschaffen. Wer von den Banken gegen Vergabekriterien verstösst, ist noch nicht eruiert. Auf alle Fälle wird ein Zinsanstieg den Schweizer Immobilienmarkt in Bewegung halten. Eine konservativ angelegte Hypothekenaufnahme hat auf alle Fälle goldenen Boden. Heute, morgen und übermorgen.
Quelle: Sonntagszeitung, 3. April 2011
Posted by:
Claude Ginesta
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